AKTUELLES KÖLN

/// Anders als die anderen und doch eigentlich ganz normal – was die Welt noch über Autismus lernen muss

Arbeiten auf einem Bauernhof – schon von Kindesbeinen an lebt Lisa (Namen geändert) diesen Traum. Nun hat sie sich ihn verwirklicht, auf Maria Haus in Aachen. Einem Biobauernhof, auf dem eigenes Obst und Gemüse geerntet und im hauseigenen Hofladen verkauft wird, perspektivisch ein Gärtnerei-Angebot entsteht und bereits viele Hühner und Ziegen ein glückliches Zuhause gefunden haben.

Maria Hause

Lisa nennt ihn auch für sich einen Ort des „Ankommens“. Am liebsten kümmert sie sich um die Tiere, da sie sie so akzeptieren wie sie ist. Denn Lisa ist etwas „anders“ als die anderen. Autismus-Spektrum-Störung lautete die Diagnose im Alter von 24 Jahren. Viele Dinge überforderten sie, sie war schnell kraftlos und sehr schüchtern, versuchte ständig an sich zu arbeiten, um genauso zu sein wie die anderen. Dann die Diagnose, die für Lisa Fluch und Segen zugleich war. Einerseits erleichternd zu wissen, warum man anders ist, andererseits erschöpfend durch die eintretende Ruhe, die mit dem Wissen über die Diagnose einherging. Zuvor unterdrückte Gedankengänge konnten nun verarbeitet werden. Relativ spät erkannt wurde die Störung, da Autismus zu diesem Zeitpunkt weitestgehend unbekannt war und daher noch nicht ausreichend erforscht. Auch heute fehlt aus ihrer Sicht die nötige Aufklärung über die verschiedenen Formen von Autismus. Daher geht sie damit an die Öffentlichkeit, um stärker darauf aufmerksam zu machen und dafür zu werben, Menschen wie ihr keine Vorurteile entgegenzubringen, sondern offen auf sie zu zugehen. Viele Autisten fühlen sich an den Rande der Gesellschaft gedrängt, nicht richtig wahrgenommen. Es wird ihnen eher mit Verschlossenheit, anstatt mit Offenheit begegnet. Das es aber ganz verschiedene Formen von Autismus gibt und sich die meisten wünschen, dass man offen auf sie zugeht und nachfragt, warum man abgeschottet und schüchtern in der Ecke steht, wird in unserer Gesellschaft bisher nicht ausreichend gelebt. Lisa ist daher sehr dankbar, dass sie auf Maria Haus einen Ort gefunden hat, an dem man offen auf sie zu geht, sie sich gebraucht fühlt, vollständig entfalten und ihren Interessen nachgehen kann. Durch diesen Rückhalt hat sie eine rasant positive Entwicklung genommen.

Sie ist durch den geschützten Rahmen offener und selbstbewusster geworden. Zudem kommt sie immer besser damit zu recht, dass auf Maria Haus kein Tag dem anderen gleicht.

Das macht für Lisa ihre Tätigkeit so spannend – obwohl sie eigentlich ein Mensch ist, der feste Abläufe braucht. Über diese und viele andere persönliche Themen will sie ein Buch schreiben, um die Aufklärungsarbeit für Autismus zu unterstützen. Für ihre Zukunft wünscht sich Lisa mehr Aufgeschlossenheit gegenüber den Menschen die wie sie sind – denn auch wenn sie etwas anders sind als die anderen, sind sie eigentlich ganz normal. (js)